Die Modernisierung der Verwaltung ist in vielen Regionen ein zentrales Zukunftsthema. Behörden sollen schneller, nutzerfreundlicher und digital zugänglich werden – doch der Weg dorthin ist national und international sehr unterschiedlich. In diesem Beitrag stellen wir erfolgreiche Projekte aus deutschen Bundesländern und Kommunen vor und vergleichen sie mit globalen Vorreitern im E‑Government.
Deutschland: Regionale Vorreiter & konkrete Projekte
Hannover – Digitaler Aufsteiger
Die Landeshauptstadt Hannover hat in den letzten Jahren einen enormen Digitalisierungsschub erlebt. Im „Smart City Index“ verbesserte sich Hannover deutlich – unter anderem, weil rund 94 % aller Verwaltungsleistungen digital angeboten werden. Dazu zählen Anträge, Meldeservices und digitale Formulare, aber auch smarte Infrastruktur‑Lösungen wie vernetztes Verkehrsmanagement. (welt.de)
Bayern: Kommunen ganz vorne
In einem bundesweiten Vergleich nach dem „Dashboard Digitale Verwaltung“ bieten viele bayerische Städte besonders viele Online‑Verwaltungsdienste an. Augsburg führt die Liste mit insgesamt rund 1.890 digitalen Leistungen an; Fürth, Ingolstadt und Erlangen folgen. Bundesweit liegt Bayern nach Hamburg an zweiter Stelle für digitale Verwaltungsservices, von Geburtsurkunden über Ummeldungen bis zu weiteren Serviceangeboten. (welt.de)
Thüringen: „Smart State“ & einheitliche digitale Dienste
Das Thüringer Digitalministerium arbeitet an einer zentralen „Thüringen‑App“, die verschiedene digitale Dienste bündelt – vom Bauantrag bis zu Informationen aus der Verwaltung. Gleichzeitige Maßnahmen umfassen die Standardisierung von Schnittstellen und die Einführung einheitlicher Werkzeuge zwischen Behörden. (welt.de)
Mecklenburg‑Vorpommern: 240 Maßnahmen zur Modernisierung
Die Landesregierung von Mecklenburg‑Vorpommern hat eine umfassende Staatsmodernisierungsagenda verabschiedet, mit rund 240 Maßnahmen, um Verwaltung schneller, einfacher und digitaler zu machen. Dazu gehören der Abbau von Nachweis‑ und Berichtspflichten, die Einführung elektronischer Unterschriften und erste KI‑gestützte Anwendungen zur Unterstützung von Routineaufgaben. (welt.de)
Deutschland im Überblick: Status & Herausforderungen
Studien zeigen:
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Etwa 60 % aller Verwaltungsleistungen in Deutschland sind digital verfügbar – doch nur rund 28,5 % davon flächendeckend in allen Regionen. Gerade zentrale Dienste wie Bürgergeld und Einbürgerung sind oft schon digital genutzt, während viele andere Angebote weiterhin analog bleiben. (bitkom.org)
Einwohner:innen fordern mehr Tempo: Laut einer Analyse der Smart Country Convention wünschen sich bis zu 90 % der Bürger:innen eine stärkere Digitalisierung der Verwaltung, mit besonders hohen Erwartungen bei jüngeren Altersgruppen. (smartcountry.berlin)
Internationale Benchmarks – Wer führt beim E‑Government?
Deutschland arbeitet kontinuierlich an digitalen Verwaltungsangeboten, doch im internationalen Vergleich liegen andere Länder deutlich voraus.
OECD Digital Government Index
Im aktuellen Digital Government Index der OECD zeigt sich: Länder wie Südkorea, Dänemark und das Vereinigte Königreich gehören zu den Top‑Performern. Diese Staaten erreichen hohe Werte in Bereichen wie „digital by design“, proaktive Services und die Öffnung von Verwaltungsdaten. (oecd.org)
Estland – Europas digitaler Vorreiter
Estland gilt als eines der weltweit am weitesten digitalisierten Länder in Bezug auf staatliche Dienstleistungen. Etwa 90 % der Bevölkerung nutzen digitale Dienste wie E‑ID, über die alles erledigt wird – vom Steuern einreichen bis zur Scheidung online. (dw.com)
Dänemark – Fast vollständige Nutzung digitaler Verwaltung
Dänemark hat mit seinem nationalen MitID‑System eine nahezu flächendeckende Nutzung digitaler Behördenservices erreicht. Bereits rund 97 % der Bevölkerung (ab 15 Jahren) verwenden das digitale Identifikations‑System für Amtsgeschäfte – ein extrem hoher Wert im internationalen Vergleich. (theguardian.com)
Hinweis für Interessierte
Wer sich tiefergehend mit digitaler Verwaltung, strategischem E‑Government und Verwaltungsmodernisierung beschäftigen möchte, findet auch berufsbegleitende Weiterbildungsangebote, die praxisnah auf die Umsetzung digitaler Projekte in Behörden vorbereiten, wie den berufsbegleitenden Masterstudiengang Digitales Verwaltungsmanagement.
Fazit
Die Modernisierung der öffentlichen Verwaltung ist ein langfristiges Unterfangen – mit beeindruckenden Teilprojekten in deutschen Städten und Ländern, aber auch mit international deutlich weiter entwickelten Modellen. Ob Hannover, Bayern oder Estland und Dänemark: Die Kernerfahrung bleibt gleich: Nutzerzentrierte digitale Dienste, klare IT‑Standards und breit akzeptierte Identitätssysteme sind entscheidend für echte Transformation. Deutschland macht Fortschritte, muss aber weiterhin Tempo und Struktur gewinnen.



