Startchancen-Programm
17.03.2025

Startchancen-Programm in NRW: Mehr Chancengleichheit im Klassenzimmer

Wie moderne Unterrichtsmethoden und gezielte Förderung den Bildungserfolg steigern.

Das Startchancen-Programm ist eine gemeinsame Initiative von Bund und Ländern in Deutschland, die darauf abzielt, Chancengerechtigkeit im Bildungssystem zu fördern und den Bildungserfolg von der sozialen Herkunft zu entkoppeln. Mit einer Laufzeit von zehn Jahren (2024 bis 2034) und einem Gesamtvolumen von 20 Milliarden Euro – je zur Hälfte finanziert von Bund und Ländern – ist es das bislang umfangreichste Bildungsprogramm der Bundesrepublik.

Was ist das Startchancen-Programm in NRW?

In Nordrhein-Westfalen (NRW) werden im Rahmen des Startchancen-Programms über 900 Schulen mit einem hohen Anteil sozioökonomisch benachteiligter Schülerinnen und Schüler gefördert. Zum Schuljahr 2024/2025 sind die ersten 400 Schulen in das Programm gestartet, weitere rund 500 Schulen folgen zum Schuljahr 2025/2026. Der Schwerpunkt liegt auf der Stärkung der Basiskompetenzen wie Lesen, Schreiben und Rechnen sowie der sozialen und emotionalen Kompetenzen der Schülerinnen und Schüler.

Wann beginnt das Startchancen-Programm in den unterschiedlichen Bundesländern?

Das Startchancen-Programm wird schrittweise in den einzelnen Bundesländern umgesetzt. Die ersten Schulen in verschiedenen Bundesländern starteten zum Schuljahr 2024/2025. Die vollumfängliche Implementierung in allen teilnehmenden Schulen wird bis 2026 abgeschlossen sein. Die genaue Einführung kann je nach Bundesland variieren, da jedes Land die Umsetzung individuell steuert. Besonders benachteiligte Schulen erhalten priorisiert Zugang zu den Fördermitteln. Hier findet man weitere Informationen zur Startphase und der Prozessbegleitung.

Was ist das Ziel der Förderung?

Das Hauptziel des Programms ist es, die Bildungs- und Chancengerechtigkeit zu erhöhen, indem der starke Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Bildungserfolg aufgebrochen wird. Alle Kinder und Jugendlichen sollen die Möglichkeit erhalten, ihre Fähigkeiten in einer diversitäts- und ungleichheitssensiblen Lernumgebung zu entwickeln und ihre Talente zu entfalten – unabhängig von ihrer Herkunft.

Was wird gefördert und finanziert?

Die Förderung im Startchancen-Programm basiert auf drei Säulen:

  1. Investitionsbudget: Schaffung einer lernförderlichen Ausstattung und Infrastruktur, die auf den konkreten Bedarf vor Ort abgestimmt ist.
  2. Chancenbudget: Finanzierung von pädagogischer und systemischer Beratung und Unterstützung für die Schulen, um nachhaltig die Schul- und Unterrichtsentwicklung zu verbessern.
  3. Zusätzliches Personalbudget: Einstellung weiterer Fachkräfte unterschiedlicher Professionen, wie Schulsozialarbeiterinnen und -arbeiter sowie multiprofessionelle Teams, die das Lehren und Lernen unterstützen.

Der konkrete Einsatz der Fördermittel erfolgt in enger Absprache mit den Schulaufsichten, den Schulträgern und den Schulen selbst.

Wer wird gefördert?

Gefördert werden Schulen mit einem hohen Anteil sozioökonomisch benachteiligter Schülerinnen und Schüler. In NRW erfolgt die Auswahl der geförderten Schulen auf der Grundlage wissenschaftsgeleiteter Kriterien, wobei prioritär der Schulsozialindex herangezogen wird. Dieser berücksichtigt vor allem den Anteil von Schülerinnen und Schülern mit Armutsgefährdung, Migrationshintergrund und Förderbedarf an einer Schule.

Zu den geförderten Schulen zählen:

  • Grundschulen, die sich in sozial benachteiligten Stadtteilen befinden und hohe Anteile an Kindern mit Förderbedarf aufweisen.
  • Sekundarschulen und Gesamtschulen, die einen hohen Anteil von Jugendlichen aus einkommensschwachen Familien haben.
  • Berufskollegs, die vollzeitschulische Ausbildungsvorbereitung für Jugendliche mit geringen Bildungschancen anbieten.
  • Förderschulen, die gezielt Kinder und Jugendliche mit besonderen Bedarfen unterstützen.

Welche Maßnahmen umfasst das Startchancen-Programm?

Das Startchancen-Programm setzt auf einen umfassenden Maßnahmenkatalog, um die Bildungsqualität nachhaltig zu verbessern. Dazu gehören:

  • Individuelle Fördermaßnahmen: Entwicklung gezielter Programme zur Unterstützung von Schülerinnen und Schülern mit Lernschwierigkeiten, insbesondere in den Kernkompetenzen Lesen, Schreiben und Rechnen.
  • Schulentwicklung: Förderung von Konzepten zur Verbesserung des Unterrichts und der schulischen Strukturen, einschließlich digitaler Lernformate und innovativer Lehrmethoden.
  • Multiprofessionelle Teams: Integration zusätzlicher Fachkräfte wie Schulsozialarbeiter, Sonderpädagogen und Psychologen, um individuelle Unterstützung zu bieten.
  • Elternarbeit und Sozialraumorientierung: Maßnahmen zur besseren Einbindung der Eltern in den schulischen Alltag und zur Vernetzung der Schulen mit sozialen und kulturellen Einrichtungen.
  • Ausstattung und Infrastruktur: Investitionen in moderne Lernumgebungen, Digitalisierung der Schulen sowie Bereitstellung von Lernmaterialien und technischer Ausstattung.
  • Lehrerfortbildung: Angebote zur professionellen Weiterentwicklung von Lehrkräften, um zeitgemäße Unterrichtsstrategien und Methoden der individuellen Förderung zu stärken.

Fortbildungen für Lehrkräfte

Im Rahmen des Startchancen-Programms werden gezielte Fortbildungen für Lehrkräfte angeboten, um die Unterrichtsqualität weiter zu verbessern. Besonders hervorzuheben sind zwei zentrale Fortbildungsprogramme:

  • Lehrkräftefortbildungskonzept für sprachsensiblen und kultursensiblen Unterricht, welches die Akademie der Ruhr-Universität zusammen mit den Universitäten der UA-Ruhr, der Universität Duisburg-Essen, der Ruhr-Universität Bochum und der Technischen Universität Dortmund entwickelt hat. Diese Fortbildung unterstützt Lehrkräfte dabei, eine diversitätsbewusste Unterrichtsgestaltung zu entwickeln.
    In über 30 Fortbildungsangeboten aus den unterschiedlichen Fachbereichen (wie den Naturwissenschaften, den Gesellschaftswissenschaften, Musik, Religion, Fremdsprachen, Sport u.v.w.m.) erhalten Lehrkräfte wichtige Werkzeuge, um sprachlicher, kultureller und religiöser Vielfalt im Klassenzimmer professionell und ressourcenorientiert zu begegnen. Von „A“ wie Alphabetisierung, „B“ wie Biologie, „C“ wie Chemie, „D“ wie Deutsch, „E“ wie Englisch über „F“ wie Sprachförderung im Fachunterricht und „M“ wie den Mathematikunterricht sprachsensibel gestalten, Mehrsprachigkeit im Klassenraum als Chance nutzen und Schreibförderung oder mündliche Kommunikation im Beruf für die berufsbildende Schule. Somit werden alle Schüler:innen bedarfsgerecht gefördert. Schulen, die an diesem Programm teilnehmen, können ein Schulsiegel erhalten, das ihr Engagement für eine kultursensible Bildung hervorhebt.
  • BMBF-Projekt POET zur Anwendung und Integration digitaler Medien: Das Projekt POET (Prozess- und Organisationsbegleitung von Schulträgern auf dem Weg zur OER-Integration) bietet praxisnahe Fortbildungen zur effektiven Nutzung digitaler Medien im Unterricht. Lehrkräfte lernen, wie sie digitale Tools gezielt einsetzen, um differenzierte und adaptive Lernangebote zu schaffen. Zudem werden Methoden zur Förderung der digitalen Kompetenz von Schülerinnen und Schülern vermittelt.

Wissenschaftliche Begründung für sprach- und kultursensiblen Unterricht sowie digitale Bildungsmedien

Sprachsensibler und kultursensibler Unterricht sowie der gezielte Einsatz digitaler Bildungsmedien sind zentrale Bausteine für Chancengerechtigkeit und Bildungsgerechtigkeit. Wissenschaftliche Studien zeigen, dass sprachliche Hürden eine der größten Herausforderungen für den Bildungserfolg darstellen. Ein Unterricht, der gezielt auf die sprachlichen Bedürfnisse von Schülerinnen und Schülern eingeht, ermöglicht eine bessere Teilhabe am Lernprozess und reduziert Bildungsungleichheiten (Gogolin, 2019).

Ebenso tragen digitale Bildungsmedien dazu bei, individuelle Lernprozesse zu unterstützen und differenzierte Fördermöglichkeiten bereitzustellen. Adaptive Lernsoftware kann gezielt auf Stärken und Schwächen einzelner Schülerinnen und Schüler eingehen und so personalisierte Bildungsangebote schaffen (Mayer, 2020). Die Kombination aus sprachsensiblen Methoden und digitalen Hilfsmitteln kann somit dazu beitragen, benachteiligten Lernenden einen besseren Zugang zu Bildung zu ermöglichen und langfristig Bildungsgerechtigkeit zu fördern.

Fazit

Das Startchancen-Programm ist ein wichtiger Schritt in Richtung mehr Bildungsgerechtigkeit in Deutschland. Durch gezielte Fördermaßnahmen, Investitionen in Schulstrukturen und Fortbildungen für Lehrkräfte werden Schulen in herausfordernden Lagen gestärkt und ihre Schülerinnen und Schüler gezielt unterstützt. Insbesondere die Verbindung von sprachsensiblem und kultursensiblem Unterricht mit digitalen Bildungsmedien bietet ein enormes Potenzial, um Bildungsbenachteiligungen abzubauen.

Die wissenschaftlichen Erkenntnisse zeigen, dass sprachliche Förderung und der gezielte Einsatz digitaler Technologien entscheidend dazu beitragen, individuelle Lernprozesse zu verbessern und die Teilhabe am Bildungssystem zu erhöhen. Das Programm bietet daher eine langfristige Perspektive zur Überwindung von Bildungsungleichheiten und schafft Grundlagen für eine chancengerechtere Gesellschaft.

Quellen

Gogolin, I. (2019). Sprachliche Bildung und Mehrsprachigkeit: Ergebnisse und Perspektiven. Springer VS.

Mayer, R. E. (2020). Multimedia Learning. Cambridge University Press.

Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF). (2024). Startchancen-Programm: Förderung von Schulen in schwierigen sozialen Lagen.
Verfügbar unter: https://www.bmbf.de/SharedDocs/FAQs/DE/startchancen-faq.html

Schulministerium NRW. (2024). Umsetzung des Startchancen-Programms in Nordrhein-Westfalen. Verfügbar unter:
https://www.schulministerium.nrw/faq-startchancen
https://www.schulministerium.nrw/startchancen

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