Gleichzeitige Gefühle von Anziehung und Abstoßung oder von Sicherheit und Risiko sind kein Zeichen von Schwäche, sondern ein zentrales Merkmal menschlicher Entscheidungsprozesse. Ambivalenz, das Nebeneinander widersprüchlicher Gedanken, Gefühle oder Motive, wird oft als lästig empfunden. Doch sie ist kein Hindernis, sondern ein Beweis für differenziertes Denken und damit eine Chance für Wachstum.
Dieser Beitrag erklärt, was Ambivalenz ausmacht, worin ihre Ursachen liegen und wie sie sich konstruktiv nutzen lässt. Am Ende wissen Sie, wie Ambivalenz wirkt, welche vier Erscheinungsformen sie annehmen kann und wie Sie sie als Katalysator für innovative Lösungen im Beruf wie im Privatleben einsetzen können.
Grundlagen: Was ist Ambivalenz?
Definition: Ein psychologisches Phänomen
Ambivalenz (von lat. ambo = „beide“ und valere = „gelten“) beschreibt das gleichzeitige Bestehen widersprüchlicher Gefühle, Gedanken oder Wünsche gegenüber einer Person, Sache oder Situation. Der Begriff wurde 1910 vom Schweizer Psychiater Eugen Bleuler geprägt, der Ambivalenz zunächst als Grundsymptom der Schizophrenie identifizierte, etwa wenn Patient:innen gleichzeitig Liebe und Hass gegenüber derselben Person empfanden. Heute weiß man: Ambivalenz ist ein allgemein menschliches Erleben, das nicht nur in psychischen Störungen, sondern auch im Alltag, in Beziehungen und im Beruf auftritt.
Synonyme: Wie wir Ambivalenz benennen
Ambivalenz wird oft umgangssprachlich als Zwiespalt, Zerrissenheit, innerer Konflikt oder Doppeldeutigkeit bezeichnet. Diese Begriffe betonen verschiedene Aspekte:
- Zwiespalt: Fokus auf die emotionale Zerrissenheit (z. B. „Ich liebe und hasse meinen Job“).
- Innerer Konflikt: Betont den Kampf zwischen widerstreitenden Bedürfnissen (z. B. Freiheit vs. Sicherheit).
- Doppeldeutigkeit: Bezieht sich auf mehrdeutige Situationen (z. B. eine Entscheidung, die Vor- und Nachteile hat).
Wann tritt Ambivalenz auf?
Ambivalenz entsteht typischerweise in drei Kontexten:
- Bei Entscheidungen: Wenn wir zwischen zwei Optionen abwägen müssen, die jeweils Vor- und Nachteile haben (z. B. Jobwechsel, Umzug).
- In Beziehungen: Wenn wir gegenüber einer Person gemischte Gefühle haben (z. B. Bewunderung und Frustration gegenüber einem Vorgesetzten).
- Im Beruf: Wenn Rollenkonflikte auftreten (z. B. als Führungskraft zwischen Teaminteressen und Unternehmenszielen).
Wie äußert sich Ambivalenz?
Ambivalenz zeigt sich oft durch Verhaltensmuster, die auf einen inneren Konflikt hindeuten:
- Prokrastination: Das Hinauszögern einer Entscheidung, weil uns die Konsequenzen unsicher machen.
- Hin-und-Her-Überlegen: Ständiges Abwägen von Pro und Contra, ohne zu einer Lösung zu kommen.
- Emotionale Blockaden: Gefühle von Lähmung oder Unzufriedenheit, weil wir uns nicht festlegen können.
- Rationalisierung: Wir suchen nach Logik, um unsere widersprüchlichen Gefühle zu rechtfertigen (z. B. „Eigentlich will ich den Job nicht, aber das Gehalt ist zu gut“).
Vertiefung: Kategorien und Beispiele
Ambivalenz ist kein einfaches „Entweder-oder“, sondern ein komplexes Geflecht aus widerstreitenden Gedanken, Gefühlen und Motiven. Dieser Abschnitt zeigt, welche Formen von Ambivalenz es gibt, wie sie entstehen und warum sie oft unbewusst unser Handeln steuern. Am Ende werden Sie nicht nur verstehen, dass Sie ambivalent sind, sondern auch warum und wie sich das auf Ihr Leben auswirkt.
Die 4 Arten von Ambivalenz: Ein psychologisches Modell
Nicht jede Ambivalenz ist gleich. Die Psychologie unterscheidet vier Hauptformen, die sich in Gedanken, Gefühlen, Motiven und sozialen Erwartungen äußern. Dieses Modell hilft, Ambivalenz systematisch zu verstehen und gezielt damit umzugehen.
1. Kognitive Ambivalenz: Wenn der Verstand widerspricht
Definition:
Kognitive Ambivalenz liegt vor, wenn wir widersprüchliche Gedanken oder Überzeugungen über ein und dasselbe Thema haben. Es geht hier nicht um Gefühle, sondern um rationale Bewertungen, die sich nicht vereinbaren lassen.
Beispiele:
„Ich weiß, dass Sport gesund ist, aber ich finde ihn anstrengend und langweilig.“
→ Kognition 1: „Sport ist gut für mich.“
→ Kognition 2: „Sport macht keinen Spaß.“
„Meine Kollegin ist kompetent, aber sie hört nie richtig zu.“
→ Kognition 1: „Sie ist eine gute Fachkraft.“
→ Kognition 2: „Sie ist eine schlechte Teamplayerin.“
2. Emotionale Ambivalenz: Wenn Gefühle kollidieren
Definition:
Hier gehen die Gefühle auseinander, nicht die Gedanken. Typisch ist ein Wechselbad der Emotionen, das sich oft als innere Unruhe äußert.
Beispiele:
„Ich bin stolz auf meinen Sohn, aber manchmal schäme ich mich für sein Verhalten.“
„Ich freue mich auf den Urlaub, aber ich habe auch Angst, dass etwas schiefgeht.“
Warum ist das so anstrengend?
Unser Gehirn ist darauf programmiert, Konsistenz herzustellen. Wenn wir gleichzeitig Freude und Angst spüren, entsteht ein kognitiver Dissonanz-Effekt. Das Gehirn versucht, den Widerspruch aufzulösen, was zu Stress oder Lähmung führen kann.
Lösungsansatz:
Emotionale Ambivalenz lässt sich nicht rational wegdenken. Stattdessen hilft:
Benennung: „Ich darf beide Gefühle haben.“
Akzeptanz: „Es ist okay, dass ich mich zerrissen fühle.“
Zeit geben: Emotionen brauchen Raum, um sich zu sortieren.
3. Motivationale Ambivalenz: Wenn Handlungsimpulse kollidieren
Definition:
Hier stehen zwei widerstreitende Motive hinter einer Entscheidung. Wir wollen etwas und wollen es gleichzeitig nicht. Das führt oft zu Prokrastination oder selbstsabotierendem Verhalten.
Beispiele:
„Ich will abnehmen, aber ich kann nicht auf Schokolade verzichten.“
→ Motiv 1: Gesundheit (langfristig)
→ Motiv 2: Genuss (kurzfristig)
„Ich will mehr Zeit mit meiner Familie verbringen, aber ich will auch Karriere machen.“
→ Motiv 1: Familie (emotional)
→ Motiv 2: Beruflicher Erfolg (rational)
Wie entsteht motivationale Ambivalenz?
Unser Gehirn ist auf kurzfristige Belohnungen programmiert (Dopamin!), während langfristige Ziele oft abstrakt wirken. Das führt zu inneren Kämpfen, die sich wie Willensschwäche anfühlen. Dabei sind sie völlig normal.
Lösungsansatz:
Kleine Schritte: Statt „Ich muss sofort perfekt sein“ → „Ich probiere heute eine gesunde Mahlzeit aus.“
Visualisierung: „Wie fühle ich mich in 6 Monaten, wenn ich dranbleibe?“
Externe Unterstützung: Coaching oder Accountability-Partner können helfen, die Motive zu sortieren.
4. Soziale Ambivalenz: Wenn Erwartungen von außen kollidieren
Definition:
Hier kommen die Widersprüche nicht aus uns selbst, sondern aus äußeren Erwartungen von Familie, Freund:innen, Kolleg:innen oder der Gesellschaft.
Beispiele:
„Meine Eltern wollen, dass ich einen sicheren Job habe, aber meine Freund:innen finden, ich sollte meinen Traum leben.“
„Als Führungskraft soll ich Ergebnisse liefern, aber meine Teammitglieder wünschen sich mehr Empathie.“
„In den sozialen Medien wird Selbstoptimierung gefeiert, aber meine Familie sagt, ich soll mich nicht so stressen.“
Warum ist soziale Ambivalenz so schwierig?
Wir haben das Bedürfnis, dazuzugehören (soziale Akzeptanz), aber gleichzeitig wollen wir authentisch sein.
Dieser Konflikt führt oft zu:
- Schuldgefühlen („Ich enttäusche jemanden.“)
- Vermeidungsverhalten („Ich treffe keine Entscheidung, um niemanden zu verärgern.“)
- Perfektionismus („Ich muss es allen recht machen.“)
Lösungsansatz:
Prioritäten setzen: „Wessen Meinung ist mir wirklich wichtig?“
Kommunikation: Offene Gespräche führen (z. B. mit dem Team: „Ich merke, dass ich zwischen zwei Erwartungen stehe – wie seht ihr das?“)
Grenzen setzen: Nicht jede Erwartung muss erfüllt werden.
Alltagsbeispiele: Praxis und Beruf
Ambivalenz ist überall, und oft der Grund, warum wir uns gelähmt, unzufrieden oder gestresst fühlen. Hier sind konkrete Szenarien, die dir vielleicht bekannt vorkommen:
Privatleben: Wenn das Herz zwischen zwei Optionen hängt
| Situation | Ambivalenz-Typ | Mögliche Lösung |
| „Soll ich umziehen? Die neue Stadt bietet mehr Chancen, aber ich vermisse meine Freunde.“ | Emotional und kognitiv | Pro/Contra-Liste mit Gewichtung (z. B. „Wie wichtig ist mir Nähe vs. Karriere?“) |
| „Soll ich eine Beziehung beenden? Ich liebe meinen Partner, aber ich fühle mich nicht mehr glücklich.“ | Emotional und motivational | Paargespräch oder Mediation: Oft hilft es, die Gefühle auszusprechen, statt sie zu verdrängen. |
| „Soll ich ein Kind bekommen? Ich will Familie, aber ich habe Angst vor dem Verlust von Freiheit.“ | Motivational und sozial | Zeit geben und Erfahrungen sammeln (z. B. Babysitten, Gespräche mit Eltern). |
Beruf: Wenn der Job zwischen Sinn und Stress schwankt
| Situation | Ambivalenz-Typ | Mögliche Lösung |
|---|---|---|
| „Soll ich befördert werden? Mehr Verantwortung bedeutet mehr Stress, aber auch mehr Einfluss.“ | Kognitiv + motivational | Tagebuch führen: „Wie fühle ich mich, wenn ich mir vorstelle, die Stelle anzunehmen?“ |
| „Soll ich das Projekt anders angehen? Die alte Methode ist sicher, die neue ist innovativ, aber riskant.“ | Kognitiv + emotional | Pilotprojekt testen: Kleine Schritte wagen, um die neue Methode auszuprobieren. |
| „Soll ich mich selbstständig machen? Freiheit vs. finanzielle Unsicherheit.“ | Motivational + sozial | Netzwerk nutzen: Mit anderen Gründer:innen sprechen, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben. |
Ambivalenz im Arbeitskontext
Ambivalenz ist im Berufsalltag allgegenwärtig, und doch wird sie selten beim Namen genannt. Dabei ist sie oft der unsichtbare Treiber hinter Prokrastination, Teamkonflikten oder Entscheidungsblockaden. In diesem Abschnitt erfährst du, warum Ambivalenz in Arbeitsumgebungen besonders häufig auftritt, welche typischen Situationen betroffen sind und wie sie sich auf die Zusammenarbeit, Kreativität und Produktivität auswirkt.
Warum Ambivalenz in Teams entsteht
Ambivalenz im Beruf ist kein Zufall, sondern das Ergebnis struktureller und menschlicher Faktoren. Drei zentrale Auslöser sind:
1. Widersprüchliche Ziele und Erwartungen
In vielen Unternehmen gibt es offizielle und inoffizielle Ziele, die sich widersprechen:
- „Wir sollen innovativ sein – aber bitte ohne Risiko.“
- „Wir müssen schneller werden – aber die Qualität darf nicht leiden.“
- „Du sollst Teamplayer sein – aber gleichzeitig als Einzelkämpfer:in glänzen.“
Beispiel aus der Praxis:
Ein Entwicklungsteam soll ein neues Produkt in Rekordzeit auf den Markt bringen. Gleichzeitig wird hohe Qualität erwartet. Das Ergebnis: Die Mitarbeiter:innen schwanken zwischen Schnelligkeit und Perfektionismus.
2. Unsicherheit und Change-Prozesse
Veränderungen, sei es eine Umstrukturierung, neue Software oder ein Wechsel in der Führungsetage, lösen fast immer Ambivalenz aus:
- „Die neue Strategie klingt gut, aber was bedeutet das für meinen Job?“
- „Soll ich mich auf die Veränderung einlassen oder mich zurückhalten, bis ich sicher bin?“
- „Ich will mitziehen, aber ich habe Angst, dass es schiefgeht.“
Typische Reaktionen:
- Passive Resistance: Mitarbeiter:innen tun so, als würden sie die Veränderung mittragen, ohne wirklich dahinterzustehen.
- Überkompensation: Anderen geht es darum, beweisen zu wollen, dass sie „mitziehen“, oft aber auf Kosten ihrer eigenen Bedürfnisse.
- Innere Kündigung: Manche ziehen sich zurück und warten ab, bis die Veränderung „vorbei“ ist.
Praktischer Hinweis:
In Change-Prozessen ist Ambivalenz normal und sogar notwendig, um nachhaltige Lösungen zu finden. Mediative Ansätze können hier helfen, die unterschiedlichen Perspektiven sichtbar zu machen und eine gemeinsame Basis zu finden.
3. Rollenkonflikte und Priorisierungsdilemmata
Besonders Führungskräfte und Projektverantwortliche erleben Ambivalenz durch widersprüchliche Rollenerwartungen:
- „Ich bin Teamleiter:in und soll meine Mitarbeiter:innen fördern – aber gleichzeitig die Ziele der Geschäftsführung durchsetzen.“
- „Ich soll als Vermittler:in zwischen Abteilungen agieren – aber dabei meine eigene Meinung nicht unterdrücken.“
- „Ich will meine Arbeit gut machen – aber auch mein Privatleben nicht vernachlässigen.“
Beispiel:
Eine Abteilungsleiterin steht zwischen den Forderungen der Geschäftsführung (Kostensenkung) und den Bedürfnissen ihres Teams (mehr Ressourcen). Sie fühlt sich zerrissen und neigt dazu, Kompromisse einzugehen, die niemanden wirklich zufriedenstellen.
Lösungsansatz:
In solchen Fällen hilft es, die unterschiedlichen Rollen bewusst zu trennen und klare Prioritäten zu setzen. Business-Coaching-Methoden wie das „Rollenklärungsmodell“ können hier Struktur geben.
Ambivalenz bei der Entscheidungsfindung
Problem:
In Meetings wird stundenlang diskutiert, aber keine Entscheidung getroffen. Oder es wird eine Entscheidung getroffen, die dann nicht umgesetzt wird, weil nicht alle dahinterstehen.
Ursache:
Die Beteiligten haben unterschiedliche Prioritäten (z. B. Sicherheit vs. Innovation), die nicht ausgesprochen werden.
Lösung:
- Transparente Kriterien: Klare Entscheidungsregeln festlegen (z. B. „Wir entscheiden nach Mehrheitsvotum“ oder „Die Geschäftsführung hat das letzte Wort“).
- Ambivalenz zulassen: Nicht sofort eine Lösung erzwingen, sondern Raum für Diskussion geben.
- Externe Moderation: Manchmal hilft ein neutraler Blick von außen (z. B. durch Mediation), um Blockaden zu lösen.
Ambivalenz in Rollenkonflikten
Problem:
Mitarbeiter:innen fühlen sich überfordert, weil sie widersprüchliche Erwartungen erfüllen sollen (z. B. „Sei kreativ – aber halte dich an die Prozesse!“).
Ursache:
Die Rollendefinition ist unklar, oder die Erwartungen sind realistisch nicht vereinbar.
Lösung:
- Rollenklärung: Gemeinsam mit der Führungskraft klare Prioritäten festlegen (z. B. „In diesem Projekt steht Innovation im Vordergrund“).
- Feedback-Kultur: Regelmäßig Reflexionsgespräche führen, um Ambivalenzen früh zu erkennen.
- Coaching: Individuelles Business Coaching kann helfen, persönliche Blockaden zu lösen, etwa wenn jemand sich zwischen Leistungsanspruch und Work-Life-Balance zerrissen fühlt.
Auswirkungen auf die Zusammenarbeit: Positiv und Negativ
Ambivalenz hat zwei Seiten. Sie kann Kreativität fördern, aber auch Blockaden verursachen. Entscheidend ist, wie damit umgegangen wird.
Positive Auswirkungen: Warum Ambivalenz auch eine Chance ist
| Aspekt | Wie Ambivalenz hilft | Beispiel |
|---|---|---|
| Kreativität | Widersprüche führen zu innovativen Lösungen | Ein Team findet eine hybride Lösung, die sowohl Sicherheit als auch Innovation berücksichtigt. |
| Kritisches Denken | Ambivalenz zwingt uns, mehr Perspektiven einzunehmen. | Eine Mitarbeiterin hinterfragt Standardprozesse und schlägt Verbesserungen vor. |
| Empathie | Wer eigene Ambivalenzen kennt, versteht die Komplexität anderer besser. | Eine Führungskraft erkennt, dass ihr Team unterschiedliche Bedürfnisse hat und geht darauf ein. |
| Resilienz | Ambivalenztoleranz trainiert die Fähigkeit, mit Unsicherheit umzugehen. | Ein Team meistert einen Change-Prozess, weil es gelernt hat, Widersprüche auszuhalten. |
Negative Auswirkungen: Wenn Ambivalenz lähmt
| Aspekt | Wie Ambivalenz schadet | Beispiel |
|---|---|---|
| Blockaden | Entscheidungen werden aufgeschoben oder nicht umgesetzt. | Ein Projekt stockt, weil das Team sich nicht auf eine Strategie einigen kann. |
| Frustration | Mitarbeiter:innen fühlen sich überfordert oder unzufrieden. | Eine Abteilungsleiterin leidet unter Burnout-Symptomen, weil sie zwischen verschiedenen Erwartungen hin- und hergerissen ist. |
| Kommunikationsprobleme | Unklare Botschaften führen zu Missverständnissen. | Eine Führungskraft gibt widersprüchliche Anweisungen, weil sie selbst ambivalent ist. |
| Teamkonflikte | Unterschiedliche Ambivalenzen führen zu Spannungen. | Ein Team spaltet sich in „Befürworter:innen“ und „Gegner:innen“ einer Veränderung. |
Wenn Ambivalenz lähmt, hilft es, sie sichtbar zu machen. Etwa durch:
- Reflexionsfragen (z. B. „Was genau macht mich bei dieser Entscheidung unsicher?“)
- Moderationstechniken (z. B. World Café oder Fishbowl-Diskussionen)
- Externe Unterstützung (z. B. Mediation oder Team-Coaching)

Ambivalenz aushalten und als Chance nutzen: Schritte zum konstruktiven Umgang
Ambivalenz muss nicht gelöst, sondern ausgehalten und genutzt werden. Hier erfährst du, wie du sie als Einzelperson und im Team konstruktiv einsetzt und warum sie sogar ein Treiber für Innovation und Wachstum sein kann.
Ambivalenz als Einzelperson annehmen: 5 praktische Schritte
1. Akzeptanz: Ambivalenz als natürlichen Teil von Entscheidungen begreifen
Ambivalenz ist kein Fehler, sondern ein Zeichen für Komplexität. Statt sie zu bekämpfen, hilft es, sie als Hinweis auf wichtige Wertekonflikte zu sehen.
Frage zur Reflexion: „Was sagt mir diese Zerrissenheit über meine Bedürfnisse und Werte?“
2. Reflexion: Die Widersprüche benennen
Schreiben Sie beiden Seiten deines Konflikts auf, ohne sie zu bewerten.
Beispiel:
- „Ich will befördert werden, weil ich mehr Einfluss haben möchte.“
- „Ich habe Angst davor, weil ich dann noch mehr Verantwortung trage.“
3. Perspektivwechsel: Beide Seiten des Konflikts betrachten
Erstellen Sie eine Pro/Contra-Liste mit emotionalen und rationalen Argumenten. Oft zeigt sich, dass die widersprüchlichen Seiten nicht gegensätzlich, sondern ergänzend sind.
Beispiel:
| Pro Beförderung | Contra Beförderung | Emotionale Bewertung |
|---|---|---|
| Mehr Gehalt | Mehr Stress | „Ich fühle mich stolz, aber auch überfordert.“ |
| Mehr Einfluss | Weniger Work-Life-Balance | „Ich will gestalten – aber nicht auf Kosten meiner Familie.“ |
4. Zeit geben: Nicht voreilig auflösen
Ambivalenz braucht Raum. Erzwungene Entscheidungen führen oft zu Reue oder innerer Unzufriedenheit. Geben Sie sich selbst die Erlaubnis, unsicher zu sein und vertrauen Sie darauf, dass sich die Dinge mit der Zeit klären.
5. Externe Unterstützung: Wann Coaching oder Mediation hilft
Manchmal reichen Selbstreflexion und Zeit nicht aus. Dann kann externe Unterstützung helfen:
- Business Coaching: Wenn Sie berufliche Entscheidungen oder Rollenkonflikte klären möchten.
- Mediation: Wenn Ambivalenz zu Konflikten im Team führt.
- Systemische Beratung: Wenn soziale Erwartungen (z. B. von Familie oder Kolleg:innen) blockieren.
Ambivalenz im Team nutzen: Kreativität und Innovation fördern
Ambivalenz muss nicht lähmen. Im Gegenteil: Gut gemanagt, kann sie Teams stärker machen. Hier sind drei Wege, wie Sie Ambivalenz als Chance für Kreativität und Zusammenarbeit nutzen:
1. Ambivalenz als Anstoß für offene Diskussionen
Ambivalenz nutzen, um Tabuthemen anzusprechen. Beispiel:
- „Ich merke, dass wir uns bei der neuen Strategie uneinig sind. Lasst uns beide Seiten anschauen.“
- Methode: World Café oder Fishbowl-Diskussionen, um alle Perspektiven sichtbar zu machen.
2. Neue Wege finden: Ambivalenz als Treiber für Innovation
Oft entstehen die besten Lösungen, wenn wir Widersprüche nicht auflösen, sondern integrieren.
- Problem: „Soll das Produkt schnell oder perfekt sein?“
- Neuer Weg: „Lasst uns ein MVP (Minimal Viable Product) erstellen, das wir dann iterativ verbessern.“
3. Teamdynamik stärken: Ambivalenz als Übungsfeld für Resilienz
Ambivalenz trainiert die Fähigkeit, mit Unsicherheit umzugehen: eine Schlüsselkompetenz in agilen Arbeitsumgebungen.
Übung für Teams:
- „Ambivalenz-Runde“: Jede:r benennt eine eigene Zerrissenheit (z. B. „Ich will mehr Verantwortung, aber auch weniger Stress“).
- Gemeinsame Reflexion: „Wie können wir als Team damit umgehen?“
Fazit: Ambivalenz nicht fürchten, sondern gestalten
Ambivalenz ist kein Hindernis, sondern ein Zeichen von Komplexität, die oft der Nährboden für Fortschritt, Kreativität und persönliches Wachstum ist. Dieser Beitrag hat gezeigt, was Ambivalenz ist, warum sie entsteht und wie man sie konstruktiv nutzen kann, sei es im Privatleben, im Beruf oder im Team.
Unterstützung für den nächsten Schritt
Ambivalenz in Beruf und Team zu meistern, erfordert methodische Sicherheit und fundiertes Wissen. Unsere preisgekrönten, renommierten Zertifikatskurse verbinden wissenschaftliche Exzellenz mit praktischer Anwendbarkeit. Entwickelt von Expert:innen, bieten sie dir evidenzbasierte Tools und zertifizierte Qualifikationen, um Ambivalenz nicht nur zu verstehen, sondern professionell zu nutzen, egal ob in der Führung, Beratung oder Teamdynamik. Baue mit uns nachhaltige Kompetenzen auf, die du in deinem Arbeitsalltag sofort anwenden kannst.
- Mediation, um Konflikte im Team konstruktiv zu lösen.
- Business Coaching, um berufliche Entscheidungen klarer zu treffen.
- Systemische Beratung in Teams, um Rollenkonflikte und Erwartungen zu klären.
Ambivalenz ist kein Problem, das gelöst werden muss, sondern eine Chance, die gestaltet werden will.
Quellen
- Spektrum der Wissenschaft. Ambivalenz. Lexikon der Psychologie.: Link zum Artikel
- Bleuler, Eugen (1914): Die Ambivalenz: Link zum Artikel
- Diplomarbeit: Der Begriff der Ambivalenz in der Psychopathologie: Link zum Artikel
- Ambivalenz: Definition: Link zum Artikel
- PMC (Open Access): Cross‐valence inhibition in forming and retrieving ambivalent attitudes: Link zum Artikel
- Columbia Business School: Attitudinal Ambivalence (PDF): Link zum Artikel




